Olivenöl Analyse richtig lesen | Säure, Peroxidzahl, K232, K270 und Polyphenole
Auf einem Analysezertifikat für Olivenöl stehen Zahlen wie 0,20 Prozent Säure, eine Peroxidzahl, K232, K268 oder K270, Delta K und manchmal ein Polyphenolwert in mg/kg.
Doch was sagen diese Werte tatsächlich über ein Olivenöl aus?
Und kann man anhand einer besonders niedrigen oder besonders hohen Zahl entscheiden, welches Olivenöl das beste ist?
Nein | eine einzelne Zahl reicht dafür nicht aus.
Laboranalysen können sehr wertvolle Informationen liefern. Entscheidend ist aber, welche Eigenschaft untersucht wurde, mit welcher Methode gemessen wurde, zu welcher Ernte oder Charge die Probe gehört und wie die verschiedenen Ergebnisse zusammenpassen.
Bei nativem Olivenöl extra kommt noch etwas hinzu: Auch die sensorische Beurteilung ist Bestandteil der gesetzlichen Klassifizierung.
Analyse ohne Mensch bleibt eine Zahl. Erfahrung ohne Analyse bleibt eine Beobachtung.
In diesem Ratgeber erkläre ich, wie Säure, Peroxidzahl, K232, K268 beziehungsweise K270, Delta K, Fettsäureethylester, Sensorik und Polyphenole sinnvoll eingeordnet werden können.
Autor und Einordnung | Ayhan Çabuk von Green Agora
Olivenöl Analyse | Die wichtigsten Werte auf einen Blick
Die folgende Tabelle zeigt wichtige Qualitätsmerkmale für die gesetzliche Kategorie natives Olivenöl extra nach der europäischen Verordnung.
| Parameter | Was er vereinfacht beschreibt | EU-Anforderung für natives Olivenöl extra |
|---|---|---|
| Säuregehalt | Gehalt an freien Fettsäuren | ≤ 0,80 % |
| Peroxidzahl | Primäre Oxidationsprodukte | ≤ 20,0 meq O₂/kg |
| K232 | UV-Absorption | unter anderem mit primären Oxidationsprozessen verbunden | ≤ 2,50 |
| K268 oder K270 | UV-Absorption | unter anderem bei fortgeschritteneren oxidativen Veränderungen relevant | ≤ 0,22 |
| Delta K | Berechneter UV-Parameter zur analytischen Einordnung | ≤ 0,01 |
| Fettsäureethylester | Zusätzlicher Qualitätsparameter | ≤ 35 mg/kg |
| Sensorik | Fehler | Median der stärksten wahrgenommenen Fehlnote | Md = 0,0 |
| Sensorik | Fruchtigkeit | Sensorisch wahrnehmbare Fruchtigkeit | Mf > 0,0 |
Wichtig: Diese Tabelle ist bewusst auf besonders häufig diskutierte Qualitätsparameter reduziert.
Die europäische Klassifizierung umfasst zusätzlich weitere Reinheits- und Authentizitätsmerkmale, unter anderem Fettsäurezusammensetzung, Sterole, Wachse und weitere analytische Parameter.
Ein Olivenöl wird deshalb nicht aufgrund eines einzigen Laborwerts als natives Olivenöl extra eingestuft.
1. Säuregehalt | Was bedeutet die Zahl wirklich?
Der Säuregehalt gehört zu den bekanntesten Analysewerten bei Olivenöl.
Gemeint ist nicht ein saurer Geschmack.
Analytisch wird der Gehalt an freien Fettsäuren bestimmt.
Diese freien Fettsäuren können entstehen, wenn Fettmoleküle beziehungsweise Triglyceride hydrolytisch gespalten werden.
Der Zustand der Oliven, Beschädigungen der Früchte, ungünstige Bedingungen vor der Verarbeitung und Verzögerungen zwischen Ernte und Verarbeitung können dabei eine Rolle spielen.
Für natives Olivenöl extra gilt in der Europäischen Union ein Höchstwert von:
0,80 Prozent.
Ist 0,20 Prozent automatisch besser als 0,40 Prozent?
Nein.
Beide Werte können deutlich innerhalb der gesetzlichen Anforderung für natives Olivenöl extra liegen.
Ein niedriger Säuregehalt ist analytisch interessant.
Er beweist aber nicht allein, dass das betreffende Olivenöl sensorisch besser, aromatischer, frischer oder für einen bestimmten Menschen geeigneter ist.
Die Europäische Kommission weist selbst darauf hin, dass die isolierte Angabe der Säure fälschlicherweise den Eindruck einer absoluten Qualitätsskala erzeugen kann.
Deshalb muss sie im Zusammenhang mit anderen physikalisch-chemischen Qualitätsmerkmalen betrachtet werden.
Eine niedrige Säure ist ein Teil des Bildes | nicht das gesamte Bild.
2. Peroxidzahl | Was sagt sie über Oxidation aus?
Die Peroxidzahl gehört ebenfalls zu den klassischen Qualitätsparametern von Olivenöl.
Sie erfasst primäre Oxidationsprodukte, insbesondere Hydroperoxide.
Oxidation ist ein Prozess, der bereits beginnen kann, bevor ein Verbraucher deutliche ranzige Geruchs- oder Geschmackseindrücke wahrnimmt.
Beeinflusst werden oxidative Veränderungen unter anderem durch:
- Sauerstoff
- Licht
- Temperatur
- Lagerdauer
- Fettsäurezusammensetzung
- natürliche antioxidative Begleitstoffe
- Ausgangsqualität
Für natives Olivenöl extra gilt nach der EU-Verordnung:
Peroxidzahl ≤ 20,0 meq O₂/kg.
Ist eine besonders niedrige Peroxidzahl automatisch ein Frischebeweis?
Nicht allein.
Primäre Oxidationsprodukte können sich im weiteren Verlauf verändern beziehungsweise in sekundäre Oxidationsprodukte übergehen.
Deshalb ist es sinnvoll, die Peroxidzahl gemeinsam mit weiteren Parametern der UV-Absorption und mit der sensorischen Beurteilung zu betrachten.
Auch die Peroxidzahl ist kein alleiniger Qualitätswettbewerb.
3. K232 | Warum wird Olivenöl mit UV-Licht untersucht?
K232 ist ein Parameter der UV-spektrophotometrischen Analyse.
Bei dieser Untersuchung wird gemessen, wie stark das Olivenöl Licht in einem definierten Wellenlängenbereich absorbiert.
K232 steht unter anderem mit konjugierten Dienen und primären oxidativen Veränderungen in Zusammenhang.
Für natives Olivenöl extra gilt:
K232 ≤ 2,50.
Der Wert liefert damit eine weitere Information über den Zustand des Olivenöls.
Eine einfache Aussage wie:
Je niedriger K232, desto besser schmeckt das Olivenöl
wäre jedoch nicht gerechtfertigt.
K232 beschreibt einen analytischen Aspekt und keine persönliche Geschmacksnote.
4. K268 oder K270 | Ein weiterer Blick auf oxidative Veränderungen
Auf Laborberichten kann je nach angewandter Methode beziehungsweise Messbedingung K268 oder K270 erscheinen.
Auch diese Werte stammen aus der UV-spektrophotometrischen Untersuchung.
Dieser Wellenlängenbereich ist unter anderem bei konjugierten Trienen und fortgeschritteneren oxidativen Veränderungen relevant.
Für natives Olivenöl extra gilt:
K268 beziehungsweise K270 ≤ 0,22.
Die Kombination verschiedener Parameter ist gerade bei Oxidationsfragen sinnvoll.
Peroxidzahl, K232 und K268 beziehungsweise K270 beleuchten nicht exakt dasselbe.
Eine Analyse wird deshalb aussagekräftiger, wenn mehrere Werte zusammen gelesen werden.
5. Delta K | Kleine Zahl, aber Teil der offiziellen Analyse
Delta K ist ein berechneter Parameter aus der UV-spektrophotometrischen Untersuchung.
Er hilft dabei, Auffälligkeiten im Absorptionsspektrum des untersuchten Olivenöls einzuordnen.
Für natives Olivenöl extra gilt:
Delta K ≤ 0,01.
Für Verbraucher ist Delta K schwieriger intuitiv zu verstehen als beispielsweise der Säuregehalt.
Trotzdem gehört der Wert zur analytischen Charakterisierung.
Ein besonders niedriger Delta-K-Wert bedeutet jedoch ebenfalls nicht automatisch, dass das Olivenöl sensorisch besser ist als ein anderes Öl.
6. Fettsäureethylester | Ein oft übersehener Qualitätsparameter
Auf ausführlicheren Analyseberichten kann die Abkürzung FAEE beziehungsweise die Angabe Fettsäureethylester erscheinen.
Für natives Olivenöl extra gilt nach der aktuellen EU-Regelung:
Fettsäureethylester ≤ 35 mg/kg.
Auch dieser Parameter gehört zu den Qualitätsmerkmalen, die bei der gesetzlichen Einstufung berücksichtigt werden.
Für Verbraucher ist dabei vor allem eine Erkenntnis wichtig:
Die rechtliche Kategorie natives Olivenöl extra hängt an mehreren analytischen und sensorischen Anforderungen gleichzeitig.
7. Sensorik | Warum das Labor den Menschen nicht vollständig ersetzt
Dieser Punkt ist besonders wichtig.
Natives Olivenöl extra wird in der EU nicht ausschließlich anhand chemischer Laborwerte klassifiziert.
Auch die organoleptischen beziehungsweise sensorischen Merkmale gehören zur gesetzlichen Beurteilung.
Für natives Olivenöl extra gilt:
- Fehlermedian Md = 0,0
- Fruchtigkeitsmedian Mf > 0,0
Die dafür vorgesehene sensorische Prüfung erfolgt nach einem standardisierten Verfahren durch eine entsprechend eingerichtete Prüfergruppe.
Das darf nicht mit einer privaten Verkostung durch einen Händler oder Verbraucher verwechselt werden.
Eine persönliche Verkostung beantwortet eine andere Frage:
Wie nehme ich dieses Olivenöl wahr und gefällt mir sein Stil?
Die offizielle sensorische Prüfung beantwortet dagegen unter anderem die Frage, ob die vorgeschriebenen organoleptischen Anforderungen der Güteklasse erfüllt sind.
Bitterkeit und Schärfe | Sind sie Qualitätsfehler?
Nein.
Bitterkeit und Schärfe gehören zu den definierten positiven sensorischen Attributen nativer Olivenöle.
Ein bitteres oder pfeffriges Olivenöl ist deshalb nicht automatisch fehlerhaft.
Gleichzeitig wäre aber auch die gegenteilige Aussage zu einfach:
Je bitterer und schärfer, desto besser.
Die Intensität hängt unter anderem von Olivensorte, Reifegrad, phenolischer Zusammensetzung, Verarbeitung und Produktstil ab.
Für den Genuss kommt außerdem der persönliche Geschmack hinzu.
Ein harmonisches Olivenöl kann ebenso hochwertig sein wie ein sehr intensives.
8. Polyphenole | Warum hohe Zahlen richtig eingeordnet werden müssen
Polyphenole gehören zu den interessantesten natürlichen Begleitstoffen von nativem Olivenöl.
Sie können Bitterkeit und Schärfe beeinflussen und spielen auch bei der oxidativen Stabilität eine Rolle.
Aber:
Gesamtpolyphenole gehören nicht zu den grundlegenden Grenzwerten, anhand derer ein Olivenöl allein als natives Olivenöl extra klassifiziert wird.
Ein Olivenöl wird deshalb nicht dadurch zum nativen Olivenöl extra, dass es beispielsweise 500, 1.000 oder 2.000 mg/kg Gesamtpolyphenole besitzt.
Umgekehrt ist ein Öl mit einem niedrigeren Polyphenolwert nicht allein deshalb minderwertig.
Warum 500 mg/kg nicht automatisch mit 1.000 mg/kg vergleichbar sind
Bei Polyphenolen entsteht häufig ein besonderes Problem.
Es existieren unterschiedliche analytische Verfahren und unterschiedliche Arten, Ergebnisse auszudrücken.
Dazu gehören beispielsweise:
- Folin-Ciocalteu-Verfahren
- HPLC-basierte Verfahren
- LC-MS-basierte Analysen
- qNMR beziehungsweise NMR-basierte Bestimmungen bestimmter phenolischer Verbindungen
Zusätzlich unterscheiden sich je nach Verfahren:
- erfasste Verbindungen
- Kalibrierungsstandards
- Probenaufbereitung
- Berechnung
- Einheiten beziehungsweise Bezugsgrößen
Eine wissenschaftliche Vergleichsstudie von Olmo-García und Kollegen zeigte, dass unterschiedliche globale und spezifische Methoden nicht automatisch zu identischen absoluten Konzentrationen führen.
Deshalb gilt:
Polyphenolwerte sollten nur dann direkt miteinander verglichen werden, wenn klar ist, was gemessen wurde und wie gemessen wurde.
Green Agora erklärt die Verfahren ausführlicher hier:
Polyphenolgehalt im Olivenöl messen | HPLC, qNMR und Laboranalysen
Gesamtpolyphenole und EU Health Claim | Nicht dasselbe
Dieser Unterschied ist besonders wichtig, wenn gesundheitsbezogene Angaben gemacht werden.
Die in der Europäischen Union zugelassene Angabe lautet:
„Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen.“
Diese Angabe darf nur für Olivenöl verwendet werden, das mindestens:
5 mg Hydroxytyrosol und dessen Derivate, beispielsweise Oleuropein-Komplex und Tyrosol, je 20 g Olivenöl enthält.
Zusätzlich müssen Verbraucher darüber informiert werden, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl einstellt.
Das bedeutet:
Ein beliebiger Gesamtpolyphenolwert in mg/kg ist nicht automatisch der Nachweis, dass die Bedingungen dieser zugelassenen Angabe erfüllt sind.
Entscheidend ist, welche relevanten Verbindungen bestimmt wurden und ob sich die konkrete Analyse fachlich und rechtlich für diese Beurteilung eignet.
Green Agora erklärt die rechtliche und analytische Einordnung hier:
EU Health Claim für Olivenöl | Hydroxytyrosol und Laboranalysen
Analysewerte brauchen Kontext | Ernte, Charge, Methode und Datum
Ein Analysewert ist keine zeitlose Eigenschaft einer Marke.
Olivenöl ist ein Naturprodukt und seine Zusammensetzung kann sich von Ernte zu Ernte verändern.
Bei der Einordnung eines Laborberichts sollten deshalb möglichst folgende Informationen vorhanden sein:
- genauer Produktname
- Olivensorte oder Blend
- Ernte beziehungsweise Erntejahr
- Charge oder eindeutige Probe
- Analysedatum
- Labor
- verwendete Methode
- gemessene Verbindung beziehungsweise gemessener Parameter
- Einheit
Besonders bei Polyphenolwerten ist die verwendete Methode wichtig.
Aber auch bei anderen Werten sollte nachvollziehbar sein, welche Probe tatsächlich untersucht wurde.
Eine Analyse aus einer früheren Ernte darf nicht einfach als aktuelle Produkteigenschaft einer neuen Ernte dargestellt werden.
Warum dasselbe Olivenöl nicht jedes Jahr dieselben Werte haben muss
Selbst wenn Produzent und Olivensorte gleich bleiben, können sich Analysewerte zwischen zwei Ernten verändern.
Einfluss haben unter anderem:
- Klima
- Niederschlag und Wasserversorgung
- Temperaturen während der Vegetationsperiode
- Reifegrad
- Erntezeitpunkt
- Zustand der Früchte
- Zeit zwischen Ernte und Verarbeitung
- Extraktionsbedingungen
- Filtration
- Lagerung
Deshalb ist beispielsweise Koroneiki nicht jedes Jahr analytisch identisch mit Koroneiki.
Auch zwei Produzenten mit derselben Olivensorte können sehr unterschiedliche Olivenöle erzeugen.
Eine Laboranalyse ist eine Momentaufnahme
Eine Analyse beschreibt grundsätzlich die untersuchte Probe zum Zeitpunkt der Untersuchung.
Danach bleibt das Olivenöl nicht chemisch eingefroren.
Während der Lagerung können sich verschiedene Eigenschaften verändern.
Relevant sind unter anderem:
- Licht
- Sauerstoff
- Temperatur
- Zeit
- Verpackung
- Ausgangszusammensetzung
Das bedeutet:
Ein sehr guter Analysewert zum Zeitpunkt der Abfüllung ist keine Garantie dafür, dass das Olivenöl nach ungünstiger Lagerung unbegrenzt denselben Zustand behält.
Olivenöl richtig lagern | Licht, Wärme, Sauerstoff und Frische
Kann eine Laboranalyse zeigen, ob ein Olivenöl mir schmeckt?
Nicht vollständig.
Eine Analyse kann wichtige objektive Informationen liefern.
Sie kann zeigen, wie bestimmte chemische Qualitätsparameter ausfallen.
Sie kann einzelne Inhaltsstoffe bestimmen.
Sie kann bei der Klassifizierung, Qualitätskontrolle und Authentizitätsprüfung helfen.
Aber sie kann nicht entscheiden, welches sensorische Profil Sie persönlich bevorzugen.
Zwei analytisch einwandfreie native Olivenöle extra können völlig unterschiedlich wirken.
Ein Olivenöl kann:
- sehr grün und kräuterbetont
- deutlich bitter
- intensiv pfeffrig
sein.
Ein anderes kann:
- harmonischer
- weicher
- reifer fruchtig
- weniger intensiv bitter und scharf
wirken.
Beide können hochwertig sein.
Laboranalyse und persönliche Verkostung | Zwei unterschiedliche Aufgaben
Die analytische Untersuchung und eine persönliche Verkostung sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Das Labor kann beispielsweise fragen:
- Wie hoch ist die freie Säure?
- Wie hoch ist die Peroxidzahl?
- Wie liegen K232 und K268 beziehungsweise K270?
- Wie hoch ist Delta K?
- Welche phenolischen Verbindungen sind vorhanden?
Die persönliche Verkostung fragt dagegen:
- Wie nehme ich die Fruchtigkeit wahr?
- Wie deutlich sind Bitterkeit und Schärfe?
- Welche Aromen erkenne ich?
- Wirkt das Olivenöl harmonisch oder sehr intensiv?
- Passt es zu meinem Geschmack?
- Passt es zu meiner Verwendung?
Und die standardisierte offizielle sensorische Prüfung hat wiederum eine andere Funktion als die persönliche Geschmacksberatung.
Genau deshalb sollten Chemie, professionelle Sensorik und persönlicher Geschmack sauber voneinander unterschieden werden.
Ayhans Einordnung | Welche Zahl interessiert mich zuerst?
Wenn ich einen Laborbericht vor mir habe, suche ich nicht automatisch nach der höchsten Polyphenolzahl.
Ich möchte zuerst verstehen, was genau analysiert wurde.
Ich frage:
- Welches Produkt ist es?
- Welche Olivensorte?
- Welche Ernte?
- Welche Charge?
- Wann wurde die Probe untersucht?
- Welches Labor hat analysiert?
- Welche Methode wurde verwendet?
- Wie sehen Säure und Oxidationsparameter aus?
- Welche Polyphenole wurden tatsächlich bestimmt?
- Wie schmeckt das Olivenöl?
Erst dann beginnt für mich die wirkliche Einordnung.
Eine Analyse kann Vertrauen schaffen, wenn sie transparent und nachvollziehbar ist.
Sie sollte aber nicht dazu benutzt werden, aus einer einzelnen Zahl eine komplette Qualitätsrangliste zu machen.
Die höchste Zahl gewinnt nicht automatisch.
Mich interessiert das Gesamtbild.
Das Olivenöl verstehen. Den Menschen verstehen. Beides zusammenbringen.
Olivenöl Analyse lesen | Meine praktische Checkliste
-
Produkt identifizieren
Gehört die Analyse tatsächlich zu dem Olivenöl, das angeboten wird? -
Ernte und Charge prüfen
Ist klar, welche Ernte beziehungsweise Probe untersucht wurde? -
Analysedatum ansehen
Eine Analyse ist eine Momentaufnahme. -
Säure nicht isoliert bewerten
Ein niedriger Wert ist nicht automatisch eine vollständige Qualitätsnote. -
Oxidationsparameter gemeinsam betrachten
Peroxidzahl, K232 sowie K268 beziehungsweise K270 ergänzen sich. -
Delta K und weitere Qualitätsmerkmale berücksichtigen
Die gesetzliche Einstufung umfasst mehr als die bekanntesten drei Zahlen. -
Sensorik nicht vergessen
Natives Olivenöl extra ist nicht nur eine chemische Kategorie. -
Bei Polyphenolen die Methode prüfen
Welche Verbindungen wurden bestimmt und wie wurde das Ergebnis berechnet? -
Gesamtpolyphenole nicht automatisch mit dem EU Health Claim gleichsetzen
Dafür gelten konkrete rechtliche Bedingungen. -
Erst danach vergleichen
Nur Werte vergleichen, die analytisch tatsächlich vergleichbar sind.
Häufige Fragen zur Olivenöl Analyse
Welcher Säuregehalt ist bei nativem Olivenöl extra erlaubt?
Nach der aktuellen EU-Regelung darf der Säuregehalt höchstens 0,80 Prozent betragen. Die Einhaltung dieses Wertes allein reicht jedoch nicht für die vollständige Einstufung als natives Olivenöl extra.
Ist ein Säuregehalt von 0,20 Prozent besser als 0,40 Prozent?
Nicht automatisch. Beide Werte können deutlich innerhalb der gesetzlichen Grenze liegen. Für die Gesamtbeurteilung müssen weitere chemische und sensorische Merkmale berücksichtigt werden.
Schmeckt man den Säuregehalt?
Nein. Der analytisch bestimmte Gehalt an freien Fettsäuren ist nicht mit einem sauren Geschmack wie bei Zitronensaft oder Essig gleichzusetzen.
Was bedeutet die Peroxidzahl?
Die Peroxidzahl erfasst primäre Oxidationsprodukte. Sie ist ein wichtiger Qualitätsparameter, sollte aber gemeinsam mit weiteren Oxidations- und UV-Parametern betrachtet werden.
Was bedeutet K232?
K232 ist ein UV-spektrophotometrischer Parameter und steht unter anderem mit konjugierten Dienen und primären oxidativen Veränderungen in Verbindung.
Was bedeutet K270?
K270 beziehungsweise K268 stammt ebenfalls aus der UV-Analyse und liefert Informationen aus einem anderen Wellenlängenbereich, der unter anderem bei fortgeschritteneren oxidativen Veränderungen relevant ist.
Was bedeutet Delta K?
Delta K ist ein berechneter UV-Parameter und gehört zur analytischen Charakterisierung von Olivenöl.
Was bedeutet FAEE bei Olivenöl?
FAEE steht für Fatty Acid Ethyl Esters beziehungsweise Fettsäureethylester. Für natives Olivenöl extra gilt in der EU derzeit ein Höchstwert von 35 mg/kg.
Sind Polyphenole ein gesetzliches Kriterium für natives Olivenöl extra?
Gesamtpolyphenole gehören nicht zu den grundlegenden Grenzwerten, die allein die Güteklasse natives Olivenöl extra bestimmen.
Sind mehr Polyphenole automatisch besser?
Nein. Polyphenole sind analytisch und sensorisch interessant. Ein höherer Gesamtwert allein bedeutet aber nicht automatisch eine höhere Gesamtqualität oder eine bessere Eignung für jeden Menschen.
Kann man Polyphenolwerte verschiedener Labore vergleichen?
Nur mit Vorsicht. Methoden, Kalibrierung, erfasste Verbindungen und Art der Ergebnisdarstellung können sich unterscheiden.
Ist Gesamtpolyphenol gleich EU Health Claim?
Nein. Für die zugelassene Angabe gelten konkrete Bedingungen zu Hydroxytyrosol und dessen Derivaten je 20 g Olivenöl.
Kann eine Analyse aus der letzten Ernte für die neue Ernte verwendet werden?
Sie kann als historische Information dienen, sollte aber nicht ohne klare Kennzeichnung als aktuelle Analyse einer neuen Ernte oder Charge dargestellt werden.
Ersetzt eine Laboranalyse die Verkostung?
Nein. Laboranalyse, standardisierte sensorische Prüfung und persönliche Geschmackswahrnehmung beantworten unterschiedliche Fragen.
Premium Olivenöl bei Green Agora | Analyse und Sensorik zusammen betrachten
Bei Green Agora möchten wir hochwertiges Olivenöl nicht auf eine einzelne Zahl reduzieren.
Zur Einordnung gehören für uns:
- Olivensorte
- Herkunft
- Produzent
- Ernte
- Verarbeitung
- aktuelle Analysen, soweit verfügbar
- Sensorik
- Verwendung
- persönlicher Geschmack
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Wer unterschiedliche Olivenöle persönlich vergleichen möchte, kann nach vorheriger Terminvereinbarung unseren Olivenöl Showroom in Lüdenscheid besuchen.
Quellen und fachliche Grundlage
Für die rechtliche und wissenschaftliche Einordnung dieses Beitrags wurden insbesondere folgende Quellen verwendet:
- Europäische Kommission | Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104 | konsolidierte Fassung | Merkmale und Vermarktungsnormen von Olivenöl
- Europäische Kommission | Durchführungsverordnung (EU) 2022/2105 | Analysemethoden zur Bestimmung der Merkmale von Olivenölen
- Europäische Kommission | Verordnung (EU) Nr. 432/2012 | zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zu Olivenöl-Polyphenolen
- Olmo-García L. et al. | Evaluating the reliability of specific and global methods to assess the phenolic content of virgin olive oil | Journal of Chromatography A | 2019
- Tarapoulouzi M. et al. | Recent Advances in Analytical Methods for the Detection of Olive Oil Oxidation Status during Storage along with Chemometrics, Authenticity and Fraud Studies | Biomolecules | 2022
- Green Agora | Polyphenolgehalt im Olivenöl messen | HPLC, qNMR und Laboranalysen
- Green Agora | EU Health Claim für Olivenöl | Hydroxytyrosol und Laboranalysen
- Green Agora | Olivenöl richtig lagern | Licht, Wärme, Sauerstoff und Frische
Redaktionell geprüft | September 2026.
Die genannten Grenzwerte beziehen sich auf die zum Zeitpunkt der redaktionellen Prüfung geltenden europäischen Regelungen. Für die rechtlich verbindliche Einstufung einer konkreten Probe sind die jeweils aktuelle Rechtsfassung, die vorgeschriebene Analysemethode und die Ergebnisse der konkreten Untersuchung maßgeblich.
Analysewerte von Olivenöl können abhängig von Ernte, Charge, Verarbeitung, Lagerung, Untersuchungsmethode und Analysezeitpunkt variieren. Zahlen verschiedener Produkte oder Labore sollten deshalb nur verglichen werden, wenn ihre analytische Grundlage tatsächlich vergleichbar ist.