EU Health Claim für Olivenöl | Voraussetzungen und Laborprüfung | Green Agora

EU Health Claim für Olivenöl | Voraussetzungen und Laborprüfung | Green Agora

Bei Premium Olivenöl begegnet man immer häufiger Angaben zu Polyphenolen, Hydroxytyrosol, Oleocanthal und sogenannten High Phenolic Olivenölen.

Doch gesundheitsbezogene Aussagen über Lebensmittel dürfen in der Europäischen Union nicht beliebig formuliert werden.

Für Olivenölpolyphenole existiert ein ausdrücklich zugelassener EU Health Claim. Gleichzeitig gelten klare Bedingungen dafür, wann diese Aussage verwendet werden darf.

Damit stellt sich eine entscheidende Frage: Wie lässt sich analytisch feststellen, ob ein Olivenöl die erforderlichen phenolischen Verbindungen enthält?

In diesem Ratgeber erklären wir die rechtliche Grundlage, die Rolle von Hydroxytyrosol und seinen Derivaten, die Bedeutung von Laboranalysen und das EU Forschungsprojekt OLEUM.

Außerdem zeigen wir, warum ein Gesamtpolyphenolwert wie 500 mg oder 2000 mg pro kg nicht automatisch mit der rechtlichen Voraussetzung des EU Health Claims gleichgesetzt werden darf.


Was ist der EU Health Claim für Olivenölpolyphenole?

Die Grundlage findet sich in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 über zugelassene gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln.

Für Olivenölpolyphenole wurde folgende Angabe zugelassen:

Olivenölpolyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen.

Diese Aussage darf jedoch nicht für jedes Olivenöl verwendet werden.

Die Verordnung verlangt mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und dessen Derivate je 20 g Olivenöl.

Als Beispiele für diese Derivate nennt die europäische Regelung unter anderem den Oleuropein Komplex und Tyrosol.

Zusätzlich muss der Verbraucher darüber informiert werden, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl einstellt.

Das bedeutet:

Nicht der Begriff Premium, nicht ein besonders kräftiger Geschmack und auch nicht irgendein hoher Gesamtpolyphenolwert entscheiden über die Verwendung des Claims.

Entscheidend sind die konkreten rechtlichen Voraussetzungen.

Grundlagen zu Polyphenolen erklären wir in unserem Ratgeber Polyphenole im Olivenöl verstehen.


Warum häufig von 250 mg Polyphenolen pro kg gesprochen wird

Im Zusammenhang mit dem EU Health Claim findet man häufig eine Grenze von 250 mg pro kg.

Diese Zahl entsteht durch eine mathematische Umrechnung.

Wenn 20 g Olivenöl mindestens 5 mg der relevanten Verbindungen enthalten sollen, entsprechen 5 mg in 20 g rechnerisch 250 mg pro kg.

Doch genau an dieser Stelle entsteht eines der häufigsten Missverständnisse.

Die EU Verordnung verlangt nicht einfach mindestens 250 mg beliebige Gesamtpolyphenole pro kg.

Sie bezieht sich ausdrücklich auf Hydroxytyrosol und dessen Derivate.

Ein Laborwert von beispielsweise 500 mg Gesamtpolyphenolen pro kg ist deshalb nicht automatisch identisch mit 500 mg der für den Claim relevanten Verbindungen.

Welche Moleküle tatsächlich erfasst wurden und welche Analysenmethode verwendet wurde, ist entscheidend.


Gesamtpolyphenole und Health Claim relevante Verbindungen sind nicht automatisch dasselbe

Der Begriff Polyphenole umfasst zahlreiche unterschiedliche phenolische Verbindungen.

In nativem Olivenöl extra finden sich unter anderem Hydroxytyrosol, Tyrosol und verschiedene natürliche und oxidierte Derivate von Oleuropein und Ligstrosid.

Auch Oleocanthal und Oleacein gehören zu den bekannten phenolischen Bestandteilen hochwertiger Olivenöle.

Je nach Messmethode kann ein Labor einen Gesamtwert bestimmen oder einzelne Verbindungen gezielt quantifizieren.

Deshalb muss bei einem Analysewert immer gefragt werden:

  • Welche Verbindungen wurden erfasst?
  • Welche Methode wurde verwendet?
  • Wie wurde das Ergebnis berechnet?
  • Wird ein Gesamtwert oder werden einzelne Moleküle angegeben?
  • Welche Bezugsgröße verwendet das Labor?

Eine große Zahl allein beantwortet diese Fragen nicht.


Wie werden Polyphenole im Labor untersucht?

Für die Analyse phenolischer Verbindungen stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung.

Dazu gehören beispielsweise Folin Ciocalteu, HPLC, LC MS/MS und qNMR.

Diese Verfahren funktionieren unterschiedlich und messen nicht zwangsläufig exakt dasselbe.

Deshalb können Ergebnisse verschiedener Methoden nicht immer unmittelbar miteinander verglichen werden.

Eine ausführliche Erklärung der einzelnen Analyseverfahren finden Sie in unserem Ratgeber Wie wird der Polyphenolgehalt im Olivenöl gemessen.


HPLC | Eine etablierte Methode für phenolische Verbindungen

HPLC steht für Hochleistungsflüssigkeitschromatographie.

Bei dieser Technik werden verschiedene Bestandteile einer zuvor aufbereiteten Olivenölprobe chromatographisch voneinander getrennt.

Dadurch können phenolische Verbindungen wesentlich differenzierter untersucht werden als mit einem einfachen globalen Farbtest.

Der International Olive Council führt mit COI/T.20/Doc. No 29/Rev.2/2022 standardisierte Verfahren zur Bestimmung phenolischer Verbindungen in Olivenöl.

Eine der beschriebenen Methoden basiert auf der Extraktion phenolischer Bestandteile und der anschließenden Quantifizierung mittels HPLC und UV Detektion.

Die IOC Dokumentation beschreibt außerdem ein SPE HPLC DAD Verfahren zur Untersuchung freier und gebundener phenolischer Verbindungen.

Damit besitzt die chromatographische Analyse eine wichtige Rolle bei der Untersuchung von Olivenölpolyphenolen.


Warum HPLC Ergebnisse unterschiedlich aussehen können

Auch die Bezeichnung HPLC allein reicht noch nicht aus, um einen Laborwert vollständig zu verstehen.

Unterschiedliche Verfahren können unterschiedliche Standards, Detektoren und Auswertungen verwenden.

Bei der klassischen IOC Methode können die erfassten phenolischen Bestandteile beispielsweise in mg pro kg Tyrosol Äquivalent angegeben werden.

Andere Verfahren können einzelne Moleküle stärker differenzieren oder absolute Konzentrationen bestimmen.

Deshalb sollte beim Vergleich zweier Laborberichte immer die konkrete Methode berücksichtigt werden.


Das EU Forschungsprojekt OLEUM

Eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung der Olivenölanalytik spielte das europäische Forschungsprojekt OLEUM.

OLEUM war ein im Rahmen von Horizont 2020 finanziertes Forschungsprojekt zur Verbesserung der Qualität und Authentizitätsprüfung von Olivenöl.

Das Projekt startete im September 2016 und endete im Februar 2021.

Die Gesamtkosten lagen bei rund 5,35 Millionen Euro. Der Beitrag der Europäischen Union betrug rund 4,88 Millionen Euro.

Koordiniert wurde das Projekt von der Universität Bologna.

Am Projekt beteiligten sich Forschungseinrichtungen und Organisationen aus mehreren Ländern.

Das Ziel war deutlich größer als nur die Untersuchung von Polyphenolen.

OLEUM beschäftigte sich unter anderem mit neuen und verbesserten analytischen Verfahren für:

  • Qualität von Olivenöl
  • Authentizität
  • Erkennung unerlaubter Mischungen
  • Erkennung bestimmter Verarbeitungsverfahren
  • Frische
  • sensorische Bewertung
  • Harmonisierung analytischer Methoden

Damit war OLEUM ein umfassendes Forschungsprojekt zur Weiterentwicklung der Qualitätskontrolle von Olivenöl.


Was untersuchte OLEUM beim EU Health Claim?

Innerhalb des OLEUM Projekts beschäftigten sich Forscher auch mit der Frage, ob die Einhaltung der Voraussetzungen für den Polyphenol Health Claim einfacher analytisch überprüft werden könnte.

2017 berichtete die Europäische Kommission über erste Ergebnisse eines Forscherteams der Universitäten Bologna und Vigo.

Die Wissenschaftler untersuchten dabei ein vergleichsweise einfaches kolorimetrisches Verfahren auf Basis des Folin Ciocalteu Reagenzes.

Ziel war es, eine kostengünstigere Möglichkeit zu untersuchen, mit der sich relevante phenolische Eigenschaften von nativem Olivenöl extra beurteilen lassen.


Was ist das Folin Ciocalteu Verfahren?

Das Folin Ciocalteu Verfahren ist ein kolorimetrischer Test.

Vereinfacht gesagt entsteht bei der Reaktion mit bestimmten reduzierenden Bestandteilen der Probe eine Farbänderung.

Diese kann photometrisch gemessen und anschließend ausgewertet werden.

Das Verfahren ist vergleichsweise einfach und kostengünstig.

Es besitzt aber auch eine wichtige Einschränkung:

Folin Ciocalteu ist kein vollständig spezifischer Test für einzelne Olivenölpolyphenole.

Das Reagenz kann auch mit anderen reduzierenden Substanzen reagieren.

Deshalb darf ein allgemeiner Folin Ciocalteu Gesamtwert nicht automatisch so behandelt werden, als wären damit einzelne Health Claim relevante Moleküle direkt bestimmt worden.


Was zeigten die OLEUM Untersuchungen?

Die im Jahr 2017 veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse waren interessant.

Das Forscherteam berichtete, dass ein entsprechend angewendetes Folin Ciocalteu Verfahren zur Überprüfung der Voraussetzungen des Polyphenol Health Claims vielversprechend sein könne.

Dabei wurden die Ergebnisse mit Daten verglichen, die nach Hydrolyse mittels HPLC UV und der Bestimmung von Hydroxytyrosol und Tyrosol gewonnen wurden.

Die untersuchte Methode sollte vor allem eine einfachere und kostengünstigere analytische Möglichkeit bieten.

Diese Ergebnisse waren Teil wissenschaftlicher Forschungsarbeit innerhalb des OLEUM Projekts.


Verwendet die EU heute automatisch das Folin Ciocalteu Verfahren?

Nein, so sollte man die OLEUM Ergebnisse nicht interpretieren.

Die Tatsache, dass ein EU finanziertes Forschungsprojekt ein Analyseverfahren untersucht hat, bedeutet nicht automatisch, dass dieses Verfahren anschließend zur alleinigen amtlichen EU Prüfmethode geworden ist.

Die OLEUM Veröffentlichung aus dem Jahr 2017 berichtete über vielversprechende Ergebnisse einer Forschungsarbeit.

Für die heutige analytische Praxis existieren weiterhin unterschiedliche Methoden.

Der International Olive Council führt beispielsweise standardisierte HPLC Verfahren zur Bestimmung phenolischer Verbindungen in Olivenöl.

Deshalb ist es genauer zu sagen:

OLEUM untersuchte Möglichkeiten, die analytische Überprüfung einfacher und effizienter zu gestalten. Das Projekt ersetzt jedoch nicht automatisch die heute verwendeten standardisierten oder validierten Laborverfahren.


Wer überprüft eigentlich einen Health Claim?

Auch die Formulierung „die EU überprüft jedes Olivenöl“ wäre missverständlich.

Die Europäische Union schafft mit ihren Verordnungen den rechtlichen Rahmen.

Hersteller und andere Lebensmittelunternehmen sind dafür verantwortlich, dass gesundheitsbezogene Angaben, die sie verwenden, die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.

Die Kontrolle der Einhaltung des Lebensmittelrechts erfolgt durch die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten.

Für ein bestimmtes Olivenöl muss deshalb eine belastbare analytische Grundlage vorhanden sein, wenn ein Health Claim verwendet wird.

Welche Unterlagen und Nachweise im konkreten Fall erforderlich sind, sollte bei rechtlich relevanter Produktkennzeichnung fachlich geprüft werden.


Was muss ein Labor für den Health Claim tatsächlich nachweisen?

Die entscheidende rechtliche Frage lautet nicht:

Wie hoch ist irgendein Gesamtpolyphenolwert?

Entscheidend ist die Voraussetzung aus der Verordnung.

Das Olivenöl muss mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und dessen Derivate je 20 g enthalten.

Ein geeigneter analytischer Nachweis muss deshalb einen nachvollziehbaren Bezug zu den relevanten Verbindungen ermöglichen.

Der vollständige Laborbericht ist wesentlich aussagekräftiger als eine einzelne Zahl auf einer Webseite.


Warum 2081 mg Polyphenole pro kg nicht automatisch 41,62 mg Health Claim relevante Verbindungen bedeuten

Dieser Punkt ist besonders wichtig.

Pamako Gold Bio weist aktuell einen Polyphenolwert von 2081 mg pro kg auf.

Mathematisch entsprechen 2081 mg pro kg bei 20 g Olivenöl rund 41,62 mg.

Doch daraus darf nicht automatisch geschlossen werden, dass diese 41,62 mg vollständig aus Hydroxytyrosol und dessen für den EU Health Claim relevanten Derivaten bestehen.

Das wäre nur dann sachlich belastbar, wenn der zugrunde liegende Laborbericht genau diese relevanten Verbindungen entsprechend bestimmt und dokumentiert.

Gesamtpolyphenole und Health Claim relevante Verbindungen müssen analytisch unterschieden werden.

Genau deshalb ist die Messmethode so wichtig.


Aktuelle Polyphenolwerte ausgewählter Green Agora Olivenöle

Bei mehreren Premium Olivenölen von Green Agora stehen aktuelle Polyphenolwerte zur Verfügung.

  • Pamako Gold Bio: 2081 mg Polyphenole pro kg
  • Pamako Blend Bio: 1466 mg Polyphenole pro kg
  • Kouros of Zeus Frühernte: 835 mg Polyphenole pro kg
  • Pathos Bio: 834 mg Polyphenole pro kg
  • Voliotis Frühernte: 674 mg Polyphenole pro kg
  • Di Morea Bio: 664 mg Polyphenole pro kg
  • Marmaro: 528 mg Polyphenole pro kg
  • Mitira Bio: 426 mg Polyphenole pro kg
  • Voliotis Extra: 418 mg Polyphenole pro kg
  • Voliotis Bio: 356 mg Polyphenole pro kg

Diese Werte sind interessante analytische Produktinformationen.

Sie dürfen jedoch nicht ohne Kenntnis der zugrunde liegenden Analysenmethode automatisch als Nachweis für die Voraussetzungen des EU Health Claims interpretiert werden.

Für die rechtliche Einordnung eines konkreten Produkts ist entscheidend, welche phenolischen Verbindungen der jeweilige Laborbericht erfasst.

Olivenöl ist außerdem ein Naturprodukt. Analysewerte können sich je nach Ernte, Charge, Lagerung und Analysezeitpunkt unterscheiden.


Pamako Gold Bio | 2081 mg Polyphenole pro kg

Pamako Gold Bio gehört zu den besonders polyphenolreichen Premium Olivenölen im Green Agora Sortiment.

Der aktuell bestätigte Gesamtwert beträgt 2081 mg Polyphenole pro kg.

Pamako Gold Bio wird aus Tsounati Oliven hergestellt und stammt aus Kreta.

Gerade bei einem so hohen Analysewert ist es sinnvoll, nicht nur die Zahl zu betrachten.

Interessant sind auch die zugrunde liegende Messmethode, das Analysedatum und die Aufschlüsselung der phenolischen Verbindungen.

Pamako Gold Bio entdecken

Mehr über Pamako, Herkunft und Analysen erfahren Sie in unserem Beitrag Pamako | Laborwerte Zertifikate und Qualität.


Pamako Blend Bio | 1466 mg Polyphenole pro kg

Auch Pamako Blend Bio besitzt einen hohen aktuellen Polyphenolwert.

Der bestätigte Wert beträgt 1466 mg Polyphenole pro kg.

Das Premium Olivenöl verbindet Tsounati und Koroneiki Oliven aus Kreta.

Auch hier gilt: Der Gesamtpolyphenolwert ist eine interessante Produkteigenschaft. Für eine konkrete Beurteilung der Voraussetzungen des EU Health Claims muss jedoch der vollständige analytische Nachweis betrachtet werden.

Pamako Blend Bio entdecken


Warum Oleocanthal ebenfalls nicht mit dem gesamten Health Claim gleichgesetzt werden sollte

Oleocanthal gehört zu den besonders bekannten phenolischen Verbindungen in hochwertigem Olivenöl.

Es wird intensiv wissenschaftlich untersucht und spielt bei mehreren HOCO Olivenölen eine wichtige Rolle.

Trotzdem sollte auch hier sauber unterschieden werden.

Ein hoher Oleocanthalwert ist eine konkrete analytische Produkteigenschaft.

Der EU Health Claim formuliert seine Voraussetzung jedoch über Hydroxytyrosol und dessen Derivate.

Deshalb sollte eine Oleocanthalangabe nicht ohne analytische und rechtliche Prüfung einfach mit der Erfüllung des gesamten Health Claims gleichgesetzt werden.

Mehr über diesen Inhaltsstoff erfahren Sie unter Was ist Oleocanthal.


Warum Analysedatum und Charge wichtig sind

Ein Laborbericht ist immer eine Momentaufnahme einer bestimmten Probe.

Olivenöl ist ein Naturprodukt.

Olivensorte, Erntezeitpunkt, Klima, Verarbeitung und Lagerung können die phenolische Zusammensetzung beeinflussen.

Auch während der Lagerung können sich phenolische Verbindungen verändern.

Deshalb sollte ein Analysewert möglichst zusammen mit folgenden Informationen betrachtet werden:

  • Produktname
  • Charge
  • Ernte
  • Analysedatum
  • Messmethode
  • bestimmte Verbindungen
  • Einheit und Bezugsgröße

Eine Zahl ohne diese Informationen ist deutlich schwieriger einzuordnen.

Mehr über die Lagerung erfahren Sie unter Olivenöl richtig lagern.


Was bedeutet ein akkreditiertes Labor?

Bei wichtigen Produktanalysen wird häufig darauf hingewiesen, dass ein Labor akkreditiert ist.

Das ist grundsätzlich eine wertvolle Information.

Trotzdem sollte genauer hingesehen werden.

Eine Akkreditierung bezieht sich auf einen festgelegten Prüfbereich und bestimmte Verfahren.

Deshalb ist nicht nur die Frage wichtig, ob ein Labor allgemein akkreditiert ist.

Entscheidend kann auch sein, ob die konkrete verwendete Analysenmethode Bestandteil des akkreditierten Prüfbereichs ist.


Was sollten Verbraucher auf einem Laborbericht suchen?

Wer einen Laborbericht zu polyphenolreichem Olivenöl betrachtet, sollte sich nicht von der größten Zahl allein leiten lassen.

Diese Punkte sind besonders hilfreich:

  • Welches Produkt wurde untersucht?
  • Welche Charge wurde untersucht?
  • Wann wurde die Probe analysiert?
  • Welche Methode wurde eingesetzt?
  • Was genau wurde gemessen?
  • Welche einzelnen Verbindungen werden genannt?
  • Wie wird der Gesamtwert berechnet?
  • Welche Einheit verwendet das Labor?

Je transparenter ein Laborbericht aufgebaut ist, desto besser lässt sich ein Analysewert verstehen.


Was Green Agora aus dem OLEUM Projekt ableitet

Für uns ist die wichtigste Botschaft des OLEUM Projekts nicht, dass eine einzelne Methode alle anderen ersetzt.

Viel wichtiger ist der grundsätzliche Ansatz:

Qualitätsaussagen über Olivenöl sollten durch nachvollziehbare Analytik gestützt werden.

Das OLEUM Projekt beschäftigte sich intensiv mit der Verbesserung, Harmonisierung und Vereinfachung analytischer Verfahren.

Genau diese Transparenz ist auch für Verbraucher wichtig.

Wenn bei Green Agora konkrete Polyphenolwerte genannt werden, möchten wir nachvollziehbar darstellen, zu welchem Produkt diese Werte gehören.

Bei gesundheitsbezogenen Aussagen müssen darüber hinaus die konkreten gesetzlichen Voraussetzungen berücksichtigt werden.


Ayhans persönliche Einschätzung zum EU Health Claim

Bei hohen Polyphenolwerten ist die Versuchung groß, möglichst starke Aussagen daraus abzuleiten.

Ich halte einen anderen Weg für besser.

Wenn Pamako Gold Bio aktuell 2081 mg Polyphenole pro kg aufweist, ist das bereits eine außergewöhnlich interessante analytische Information.

Wir müssen daraus nicht automatisch jede denkbare gesundheitsbezogene Aussage machen.

Für mich ist wichtiger, dass wir erklären, was gemessen wurde, wie der Wert zustande kommt und welche rechtlichen Voraussetzungen für einen Health Claim gelten.

Genau dort entsteht Vertrauen.

Eine große Zahl kann Aufmerksamkeit erzeugen.

Eine verständliche und nachvollziehbare Erklärung schafft dagegen Glaubwürdigkeit.

Ayhan von Green Agora

Meine persönlichen Empfehlungen finden Sie unter Ayhans Olivenöl Favoriten.


Häufige Fragen zum EU Health Claim für Olivenöl

Welcher Health Claim ist für Olivenölpolyphenole zugelassen?

Die zugelassene Aussage lautet, dass Olivenölpolyphenole dazu beitragen, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen.

Welche Voraussetzung gilt?

Das Olivenöl muss mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und dessen Derivate je 20 g Olivenöl enthalten.

Muss zusätzlich eine Verzehrempfehlung angegeben werden?

Bei Verwendung des Claims müssen Verbraucher darüber informiert werden, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl einstellt.

Bedeuten 250 mg Gesamtpolyphenole pro kg automatisch, dass der Claim verwendet werden darf?

Nein. Die mathematische Umrechnung von 5 mg je 20 g ergibt zwar 250 mg pro kg. Die gesetzliche Voraussetzung bezieht sich jedoch auf Hydroxytyrosol und dessen Derivate und nicht pauschal auf irgendeinen Gesamtpolyphenolwert.

Ist Folin Ciocalteu die offizielle EU Methode für den Health Claim?

Das sollte so nicht dargestellt werden. Im EU finanzierten OLEUM Projekt wurden vielversprechende Ergebnisse zur Verwendung eines Folin Ciocalteu Ansatzes veröffentlicht. Daraus folgt jedoch nicht, dass dieses Verfahren heute automatisch die alleinige amtliche EU Prüfmethode ist.

Was ist HPLC?

HPLC steht für Hochleistungsflüssigkeitschromatographie. Sie ermöglicht die Trennung und quantitative Untersuchung phenolischer Bestandteile einer Olivenölprobe.

Gibt es eine standardisierte HPLC Methode für Olivenölpolyphenole?

Ja. Der International Olive Council führt unter COI/T.20/Doc. No 29/Rev.2/2022 standardisierte Verfahren zur Bestimmung phenolischer Verbindungen in Olivenöl.

Ist ein hoher Gesamtpolyphenolwert automatisch ein Nachweis für den Health Claim?

Nein. Der Gesamtwert allein sagt nicht zwingend aus, wie viel Hydroxytyrosol und relevante Derivate enthalten sind. Dafür muss der zugrunde liegende Laborbericht betrachtet werden.

Was war OLEUM?

OLEUM war ein von der Europäischen Union im Rahmen von Horizont 2020 gefördertes Forschungsprojekt zur Verbesserung der analytischen Kontrolle von Qualität und Authentizität von Olivenöl. Das Projekt lief von 2016 bis 2021 und wurde von der Universität Bologna koordiniert.

Überprüft die Europäische Union jede einzelne Olivenölflasche?

Nein. Die EU legt den rechtlichen Rahmen fest. Lebensmittelunternehmen müssen die gesetzlichen Anforderungen einhalten. Die Überwachung und Durchsetzung erfolgt durch die zuständigen Behörden.

Können sich Polyphenolwerte verändern?

Ja. Olivenöl ist ein Naturprodukt. Ernte, Charge, Verarbeitung, Lagerung und Analysezeitpunkt können die gemessenen Werte beeinflussen.


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Wo aktuelle Analysen verfügbar sind, möchten wir konkrete Werte transparent darstellen und verständlich einordnen.

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Rechtlicher und analytischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über die Verordnung (EU) Nr. 432/2012, den EU Health Claim für Olivenölpolyphenole, Laboranalysen und das Forschungsprojekt OLEUM. Er ersetzt keine individuelle rechtliche Prüfung einer Produktkennzeichnung.

Die Verwendung gesundheitsbezogener Angaben muss für das jeweilige Produkt die geltenden gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Entscheidend sind die jeweils aktuellen Rechtsvorschriften und geeignete produktspezifische Nachweise.

Olivenöl ist ein Naturprodukt. Polyphenolwerte und andere Analysewerte können sich je nach Ernte, Charge, Verarbeitung, Lagerung und Zeitpunkt der Analyse unterscheiden.

Ein Gesamtpolyphenolwert darf nicht ohne Prüfung der zugrunde liegenden Methode und der bestimmten Verbindungen automatisch mit der für den EU Health Claim relevanten Menge an Hydroxytyrosol und dessen Derivaten gleichgesetzt werden.